Hintergrund

Fachkräfteengpass – Folge demographischer Veränderungen

Seit mehreren Jahren diskutiert Deutschland den Fachkräftemangel. Auch wenn die Existenz eines echten Mangels umstritten ist – eines steht fest: Regional gibt es Engpassberufe. In solchen Fällen unterschreitet die Zahl der in einer Region verfügbaren Bewerber die Anzahl der zu besetzenden Stellen. Folglich haben Arbeitgeber Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Positionen. Obwohl diese Problematik in vielen Fällen noch nicht zu einem Mangel ausgereift ist, dürfen Unternehmen die mittel- und langfristigen Folgen eines sich demographisch verändernden Deutschlands nicht unterschätzen.

Im Oktober 2010 befragte das ifo Institut 830 Personalleiter zum Fachkräftemangel. 37 Prozent gaben zu diesem Zeitpunkt an, “mittel” oder “stark” vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. Die Frage nach den Erwartungen für das Jahr 2020 ergab jedoch ein anderes Bild. Hier sahen 71 Prozent der Befragten einen mittleren oder starken Einfluss auf das Unternehmen – eine dramatische Zuspitzung.

Grund für die Annahmen sind zwei wesentliche Trends, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zweifelsfrei zu einer signifikanten Verknappung des Angebots an Fachkräften führen und den Wettbewerb um die besten Köpfe verstärken werden:

  1. Deutschlands Bevölkerung schrumpft – die Zahl der in Deutschland lebenden Personen sinkt.
  2. Deutschlands Bevölkerung altert – der Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung sinkt.

Der demographische Wandel trifft deutsche Unternehmen also gleich doppelt.

Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland (Obergrenze)

Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt)

 

Ausländisches Personal eröffnet Chancen (Diversity Management)

Arbeitgeber können den Folgen des demographischen Wandels entgegenwirken. Dazu dürfen sie jedoch nicht nur in Bezug auf Absatzmärkte global denken, sondern müssen dies auch personell tun. Das sieht auch die Bundesagentur für Arbeit so. Die BA hat die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften nach Deutschland als ein Handlungsfeld identifiziert, mit dem einer Verknappung von Fachkräften entgegengewirkt werden soll (Perspektive 2025 – Fachkräfte für Deutschland).

Bislang wagen deutsche Arbeitgeber noch zu selten und in zu geringem Ausmaße die Einstellung ausländischer Fachkräfte. Die fremde Sprache und kulturelle Unterschiede werden häufig als Risiko und nicht als Chance verstanden. Immer mehr Unternehmen erkennen jedoch, dass sie profitieren, wenn sie gezielt Menschen mit internationaler Herkunft und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen beschäftigen. Positive Effekte auf die Innovationskraft (Niebuhr, 2010 und Nathan, 2011) und die Produktivität (Trax, Brunow, Suedekum, 2012) sind wissenschaftlich nachgewiesen. Wir selbst haben die positiven Effekte einer großen Personaldiversität erlebt.

Die von Daimler, der BP Europa SE (ehemals Deutsche BP), der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom im September 2006 ins Leben gerufene “Charta der Vielfalt” (www.charta-der-vielfalt.de) zielt darauf ab, die Diversität in Unternehmen zu förden. Bereits 1250 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben die Charta unterzeichnet. Die Liste der Organisationen, die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur als Chance begreifen, wächst kontinuierlich.

Fast alle DAX-Konzerne verfügen mittlerweile über einen zentralen Ansprechpartner für das Thema “Diversity Management” – das ist ein ganzheitliches Konzept des Umgangs mit personeller und kultureller Vielfalt in der Organisation. Es zeigt den immer größer werdenden Stellenwert von heterogenen Belegschaften in den Top-Unternehmen Deutschlands.

“Im Mutterland des Diversity Managements, den USA, befragte die Gesellschaft für Personalmanagement zahlreiche Firmen. 84 Prozent von ihnen beurteilten ihr Diversity Management als “sehr effektiv” oder “effektiv”, wenn es um die eigenen Ziele ging. Das waren primär ein besseres Image in der Öffentlichkeit sowie Kosteneinsparungen.” – Institut der deutschen Wirtschaft Köln 11/2012

 

Attraktive Bewerbermärkte in Europa

Die Zahl der Arbeitslosen in Europa springt von einem Rekordhoch zum nächsten. Interessanterweise zeigt der europäische Arbeitsmarkt dabei ein diametrales Bild. Während Deutschland den Fachkräftemangel diskutiert, kämpfen die Euro-Peripheriestaaten mit scheinbar endlos steigenden Arbeitslosenquoten. Besonders brisant – die Jugendarbeitslosigkeit: In Spanien und Griechenland sind beispielsweise mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen arbeitslos. Mit zunehmender Häufigkeit finden selbst hoch qualifizierte Fachkräfte keinen Job, der ihrem Profil entspricht (siehe Abbildung). Diese Trends gehen auch an der Bundesregierung nicht vorbei:

“Für einen umfassenderen gemeinsamen [europäischen] Arbeitsmarkt spricht die Tatsache, dass etwa in Deutschland nach Fachkräften gesucht werde, während in vielen anderen europäischen Ländern eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht.” – Angela Merkel

Arbeitslosenzahlen bei Akademikern in Südeuropa
Arbeitslose Akademiker in den PIIGS-Ländern und Frankreich

 

Die europäische Arbeitsmarktsituation eröffnet deutschen Unternehmen derzeit neue Perspektiven. Die Rekrutierung aus Krisenländern wird von der deutschen Politik aktiv gefordert und gefördert (u.a. das Sonderprogramm MobiPro-EU des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales). Das zeigt wie wichtig es für deutsche Unternehmen ist, ihren künftigen Fachkräftebedarf und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Zudem hat die Robustheit der deutschen Wirtschaft ian Zeiten makroökonomischer Krisen dazu geführt, dass deutsche Arbeitgeber wieder attraktiv sind. Die Zahl der belegten Deutschkurse im Ausland ist in der jüngsten Vergangenheit rapide angestiegen (Goethe-Institut). Immer mehr, vor allem junge, hoch qualifizierte Fachkräfte aus Südeuropa sind bereit, das eigene Land in Richtung Deutschland zu verlassen.

“Wegen der gravierenden Wirtschaftskrise wandern immer mehr Spanier aus. In den ersten neun Monaten des Jahres waren es fast 55.000 Menschen – 21,6 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das teilte die nationale Statistikbehörde INE am Montag mit.” – Spiegel 12/2012

Hier kommt “Project Crossborder” ins Spiel. Wir haben uns zum Ziel gemacht, global Fachkräfte aus dem Ausland mit inländischen Arbeitgebern verbinden. Mit unserem innovativen Ansatz rekrutieren Sie Personal effizient aus dem Ausland. In einem ersten Schritt möchten wir die EU-Bewerbermärkte adressieren. Denn Staatsangehörige der EU-Mitgliedstaaten benötigen grundsätzlich keine Arbeitsgenehmigung für die Aufnahme einer Arbeit in Deutschland.

Weitere Details zu unserem Vorhaben finden Sie hier oder kontaktieren Sie uns auch gerne direkt (hier). Wir freuen uns über jeden konstruktiven Austausch zum Thema und stellen unser Vorhaben in einem vor-Ort-Gespräch vor.